Zielarten

Zielartenförderung für Pflanzen und Tiere mit hohem
Erkennungswert und engem Bezug zu biodiversitätsfreundlich
bewirtschafteten Weinbergen

Weinberge können einen wichtigen Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten darstellen, die z.B. warme, trockene und strukturreiche Umweltbedingungen benötigen. Einige dieser Arten kommen oder kamen in Deutschland vornehmlich im Bereich von Weinbergen vor. Die meisten dieser für Weinberge typischen Arten sind inzwischen selten geworden oder sogar in verschiedenen Regionen ganz verschwunden, und es stellt sich die Frage, ob sie durch geeignete Maßnahmen in ihrem Bestand gefördert werden können.

Im Rahmen der Zielarten-Untersuchung werden solche typischen Weinbergarten gezielt erfasst und Veränderungen ihrer Häufigkeit im Zusammenhang mit durchgeführten Maßnahmen in Modellbetrieben und Versuchs-Weinbergen quantifiziert.

Weinbergs-Geophyten

Zu den Pflanzenarten, die eng mit Weinbergen assoziiert sind, gehören die Weinbergs-Geophyten. Hierzu zählen z.B. Wilde Tulpe (Tulipa sylvestris), Acker-Goldstern (Gagea villosa) und Weinbergs-Traubenhyazinthe (Muscari neglectum). Sie sind an die traditionelle Bewirtschaftung der Weinberge mit einer nur flachgründigen Bodenbearbeitung und geringer Befahrung der Gassen angepasst.

Heute sind sie nur noch selten zu finden, was zum einen an der intensiven Störung durch die maschinelle, tiefgründige Bodenbearbeitung im zeitigen Frühjahr in Kombination mit häufiger Befahrung liegt, zum anderen aber auch an der aktuell häufiger entwickelten Dauerbegrünung der Gassen. So werden fast alle Weinbergs-Geophyten als gefährdet angesehen.

Anhand der Wilden Tulpe wird getestet, ob eine Vermehrung außerhalb des Weinbergs (ex-situ-Vermehrung) möglich ist und ob sich bei geeigneter Bewirtschaftung Bestände nach Wiederansiedlung etablieren können. Die Wilde Tulpe hatte noch im letzten Jahrhundert stabile Vorkommen z.B. in Rheingau, Rheinhessen und Franken. Aufgrund ihrer auffallenden Erscheinung im Frühjahr wird sie von vielen Winzerinnen und Winzern als interessante Bereicherung der Weinbergsflora betrachtet.

Wenn die Wiederansiedlung erfolgreich ist, wird sie als Maßnahme zum Artenschutz für weitere Weinbergs-Geophyten fortentwickelt und in die Umsetzung und die Beratung der Weinbaubetriebe aufgenommen. Das Potenzial für die Vermarktung dieser Vorzeige-Arten wird auch im Rahmen der sozio-ökonomischen Begleitforschung untersucht.

Weitere Arten

Neben den Weinbergs-Geophyten sollen weitere Pflanzen und Tiere gezielt untersucht werden: Bei den Pflanzen wird geprüft, ob und welche seltenen, regionaltypischen Arten sinnvoll im Bereich der Weinberge gefördert werden können. Bei den Tieren geht es im Gegensatz zu den Weinbergs-Geophyten weniger um eine Vermehrung und Ansiedlung, sondern um die Beantwortung der Frage, wie sich ihr Bestand in der Folge der zuvor durchgeführten Maßnahmen verändert hat (Etablierung von Blühmischungen, Veränderung des Bewirtschaftungsmanagements und Anlage von Strukturelementen).

Aus diesen Erkenntnissen soll abgeleitet werden, welche Maßnahmen zur Wiederbesiedlung und zum Erhalt von Zielarten wie z.B. den Vogelarten Zippammer, Zaunammer und Steinschmätzer, den Reptilienarten Zauneidechse, Mauereidechse und Schlingnatter und den Insektenarten Ameisenlöwe, Apollo-Falter, Rot- und Blauflügelige Ödlandschrecke und Weinzwirner beitragen können.